Susanne Schlusnus

Oboe und mehr!

Physioboe


Mit der Physioboe verknüpfe ich meine beiden Berufe als Oboistin und Physio-therapeutin (sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie). Physiotherapeutin bin ich bedingt durch eigene überwundene Spielproblematiken geworden, weil meine Suche nach wirklicher Hilfe dafür nicht erfolgreich war, steckte doch die Musikermedizin während meiner Studienzeit Ende des letzen Jahrtausends noch in den Kinderschuhen. Speziell in „meiner“ Musikhochschule Freiburg im Breisgau gab es zu meiner Studienzeit keinerlei Angebote. Bezeichnenderweise fand der erste Kongress , den ich als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Musik-physiologie und Musikermedizin besuchte, genau dort statt und ich staunte nicht schlecht, was dort in der Zwischenzeit aufgezogen worden ist und war auch etwas wehmütig, dass es für mich als Musikerin viel zu spät kam. Folglich musste ich mir damals, als die Probleme auftraten (in meinem Fall eine beginnende Kieferarthrose) selber helfen und begann mich, mit physiologischen Aspekten des Oboespielens auseinander zu setzen. Es war zunächst also reine Selbsthilfe und dann entstand die Idee eines Konzeptes, welches zunächst reines Wunschdenken war, das ich aber genau so umsetzte, wie es mir vorschwebte: Physiotherapie für Musiker als Äquivalent zur Sportphysiotherapie, wie sie seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird!

Physioboe begann mit der Studie über die physischen Belastungen beim Oboespielen aus dem Jahr 2010, die ich mit 70 Oboistinnen und Oboisten durchführte und welche das Fundament für das Konzept geworden ist, welches ich hier präsentieren möchte.
Die Musikermedizin hat das hochanspruchsvolle Instrument Oboe bereits erkannt und so schreibt hier die damalige Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin Maria Schuppert:

„Der hohe Druck beim Blasen schädige das Gehirn, der große Luftstau sorge für Kreislaufprobleme: nur zwei Gesundheitsgefahren, die der Oboe gern angelastet werden."Es stimmt schon, dass die Oboe mit den höchsten Anblasdruck erfordert", sagt Maria Schuppert. Und auch die Sache mit dem Luftstau sei durchaus richtig. "Je schmaler die Luftsäule ist, desto mehr Druck braucht man, um einen Ton zu erzeugen. Beim Oboespielen bläst man gegen einen starken Widerstand und gibt die Luft nur sehr dosiert wieder ab." Das alles sei aber mit einer guten bläserischen Atemtechnik und einem ebensolchen Ansatz mühelos zu kontrollieren. Herzfehler, Strukturschwächen in den Hirngefäßen oder auch Bluthochdruck: "Da kann es schon mal problematisch werden", sagt die Ärztin. In allen bekannten Fällen, in denen es zu gesundheitlichen Problemen kam, hätten Vorschädigungen eine Rolle gespielt - auch das habe zum "gefährlichen" Ruf der Oboe beigetragen. Maria Schuppert attestiert dem Instrument hingegen sogar positive Auswirkungen auf den Körper. "Für Asthmatiker gibt es Übungen, in denen sie gegen einen gewissen Widerstand ausatmen müssen. Da wäre das Oboenspiel geradezu optimales Training."

In einer ärztlichen Studie aus dem Jahr 2004 mit 10 Oboisten heißt es:

„Als alarmierend empfinden wir, dass 80 % der Oboistinnen über Schmerzen während des Oboespielens klagen. Diese Daten dokumentieren eindeutig den Handlungsbedarf und die Auseinandersetzung mit dieser Problematik, um berufsbedingte Überlastungserkrankungen bei Musikern zu vermeiden.“

Ein anonymer Oboist schreibt:

„Ernsthafte Probleme traten zu Beginn des Bachelorstudiums im Hauptfach Oboe auf. Das war vor zehn Jahren, er war am Üben. "Irgendwann konnte ich nicht mehr länger als zwei Stunden spielen, dann nur noch eine Stunde und irgendwann waren es noch nicht einmal mehr zehn Minuten", beschreibt er die Situation. Jedes Mal, wenn er seine Lippen zum Mundstück führte, überkam ihn das Gefühl, seine Muskeln nicht mehr kontrollieren zu können. Einfach so aufhören, konnte er nicht. In seinem Kalender standen eine Tournee und Tonaufnahmen. Das Spielen wurde zur Qual. Es folgte eine mehrmonatige Pause. Er fing wieder an zu spielen - das Gefühl blieb. Ein Besuch beim Arzt brachte keine Klarheit. "Er konnte mir nicht sagen, was es ist und woher es kommt." Er verschrieb ihm Tabletten gegen die Schmerzen, die das eigentliche Problem nicht bekämpften.“

Da die Oboe ein äußerst körperliches Instrument ist, ist es von Beginn an wichtig, eine gute „Körper – Instrument – Verbindung“ herzustellen, eben eine gute Physioboe, um diese Problematiken zu vermeiden. Die Hauptmotivation meines Konzeptes ist deshalb, das Verständnis meiner Studierenden für ihren eigenen Körper zu wecken und schulen, und dieser Aspekte in die tägliche Beschäftigung mit der Oboe zu integrieren, bevor der Leidensdruck zu hoch wird oder die Schmerzgrenze erreicht ist.
Es wird oftmals nicht realisiert, dass der Körper das eigentliche »Instrument« ist, dessen Funktionstüchtigkeit für musikalische Spitzenleistung keine Selbstverständlichkeit ist und dem genauso viel Beachtung geschenkt werden sollte wie der Arbeit mit dem Instrument.
Verspannungen können auch zusätzlich mit Auftrittsangst oder übertriebenem Ehrgeiz einhergehen und verkrampfen lassen oder, wie in meinem Fall, sich in einer Spielblockade äußern: Das Spiel ist dann nicht mehr mühelos und ökonomisch und eine Verfeinerung der Instrumentaltechnik nicht zu realisieren.

Warum Physioboe? 

Das Wortspiel entstand aus "Physio" und (natürlich) Oboe... Physio ist die Abkürzung von Physiotherapie und steht hier allerdings auch als Abkürzung für "physiologisches" Oboespiel, was soviel heißt wie "natürlich" oder "den normalen Abläufen und Körperfunktionen des menschlichen Organismus entsprechend".

Physioboe: Ganzheitliche Oboenmethode

Das Wort "ganzheitlich" umfasst alle Aspekte des menschlichen Seins, also Körper, Geist und Seele - meine Methode ist ganzheitlich, weil ich alle drei Aspekte miteinbeziehe, ich arbeite also mit physiologischen, mentalen und energetischen Elementen. Zu sehr beeinflussen sich Körper, Geist und Seele gegenseitig. In meinem Fall vereine ich mit meinen Ausbildungen als Dipl. Orchestermusikerin, Staatlich geprüfte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie „Alles in Einem“.

Das Ziel: ökonomisches, freies Oboenspiel

Wenn das Körpergefühl optimiert wird, weil im Körpergewebe und den darin befindlichen Energiebahnen (Meridianen) der »Fluß« (wieder-)hergestellt worden ist, ist das Resultat ein freier, offener Klang und auch eine Stärkung des Selbstbewusstseins und der Stressresistenz sowie eine Steigerung der oboistischen Ausdauerleistung.